Presse: Sanierung der Arnstädter Oberkirche soll 2017 abgeschlossen sein

TA vom 14.11.2011:

Am Beginn einer Restauration steht für Claudia Marschner immer die Säuberung der Objekte und die genaue Untersuchung des Materials und der Farbzusammensetzung. Foto: Hans-Peter Stadermann (TA)

Fast unscheinbar hinter großen Ölgemälden steht in der Werkstatt von Restauratorin Claudia Marschner eine kleine Figurengruppe. Johannes der Täufer und der knieende Christus. „Die Figuren gehören zu einer Besonderheit in der Arnstädter Oberkirche, sie sind Teil der Taufe“, sagt Expertin Marschner.

Die Taufe ist ein Ensemble mit figürlichen Darstellungen in mehreren Ebenen, filigran ausgeführt. Sie stammt aus dem Jahr 1639. Der Arnstädter Künstler Burchard Röhl (1588 bis 1643) hat die Taufe geschaffen. Sie gehört zu den bemerkenswertesten Stücke in der Oberkirche, einer gotischen Hallenkirche, die früher ein Franziskanerkloster war. Weil sich die Taufe aber insgesamt in einem schlechten Zustand befand, war die Restaurierung unumgänglich. Einige der Figuren kamen in die Werkstatt von Claudia Marschner, die ihre Werkstatt im Hof des Neuen Palais in Arnstadt hat. „Johannes der Täufer und Christus, das ist ein Ensemble von der Taufe, das als bisher letztes von mir wieder hergerichtet wurde“, so die Restauratorin. Es handelt sich um eine in Stuck ausgeführte Figur, aber keines der Stücke ist wie das andere, sagt Marschner. Sie hat seit dem Frühjahr 2011 bereits vier Engel mit Marterwerkzeugen und den die Taufe krönenden Gottvater restauriert. Doch die Herangehensweise muss jedes Mal wieder neu überprüft werden, wie sie sagt. Also setzt sich die Restauratorin hin, wälzt alte Unterlagen, liest Berichte älterer Restaurierungen, macht sich selbst ein Bild vom Material und dem Aufbau der Figurengruppe. In diesem Fall handelt es sich um Kalkstuck. Bei genauerem Betrachten allerdings zeigen sich Armierungen mit Holzdübeln, Metall, sogar mit Strick und Tierhaaren. Die ganze Konstruktion basiert auf einem Holzpfahl und wird durch eine Bodenplatte fixiert.

Gelitten haben die Figuren vor allem durch den Zahn der Zeit. „Staub und Feuchtigkeit haben sich abgelagert, das Material verfärbt oder mürbe gemacht“, erklärt Claudia Marschner. Auch Metallarmierungen führen von innen heraus zu Farbveränderungen des Stucks. Mit Pinsel und Skalpell geht Expertin Marschner zu Werke, mischt neue Substanzen an, bessert aus, arbeitet mit Kittmasse neues Material ein, um letztlich den ursprünglichen Zustand so weit wie möglich wieder herzustellen. Um den Ursprungszustand zu erkennen, sucht Claudia Marschner nach solchen Stellen an der Figur, die trotz der Zeit und Veränderungen überdauert haben. Marschner: „In versteckten Faltenwürfen sowie unter den Armen findet sich oft die Ur-Farbgebung, oder Material, wie es einst verwendet wurde, das versuche ich dann zu kopieren.“ In jedem Fall heißt es, nicht gleich loslegen, sondern erst einmal alles gut reinigen, erforschen, eventuell auch mit Kollegen reden, die mit der Materie Erfahrungen haben oder exemplarische Restaurierungen vorgenommen haben. Die Arbeit an der Taufszene mit Johannes dem Täufer im Fellmantel und dem knieenden Christus ist fast abgeschlossen. Raffiniert war schon damals die Zweiteilung der Figur samt Bodenplatte, die die Arbeit erleichtert. Noch ungeklärt ist, ob Christus in der ursprünglichen Fassung einen Strahlenkranz trug. „Diese Frage versuchen wir noch in nächster Zeit zu beantworten, je nach der folgenden Entscheidung, bekommt die Figur dann einen goldenen Kranz oder nicht. In ihrem Bücherschrank in der Werkstatt hat Claudia Marschner ein Buch mit einem Zitat über ihre Arbeit stehen. Darin heißt es sinngemäß über den Restaurator, „im besten Falle sieht und weiß man nichts von ihm“. Das soll Max Friedländer, eine deutscher Kunsthistoriker, gesagt haben. Für Claudia Marschner, die sich seit acht Jahren um Restaurierungen kümmert, heißt das, wenn der Spruch zutrifft, „dass ich meine Arbeit gut erledigt habe“. Wann letztlich die Taufe wieder aufgestellt wird und in alter Schönheit zu sehen ist, ist noch ungewiss, weil noch nicht alle 20 Figuren überarbeitet sind. Auch mit der Statik der ganzen Konstruktion gibt es noch Probleme. Die Sanierung der Oberkirche begann bereits 2008 und soll 2017 abgeschlossen sein.

Frank Buhlemann

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